Grotrian-Steinweg Klaviere Berlin

Grotrian-Steinweg Klaviere Berlin

Grotrian-Steinweg Klaviere Berlin

Greotrian-Steinweg Klaviere BerlinUnternehmensgründung und Entwicklungen bis 1931

Friedrich Grotrian, geboren 1803 in Schöningen bei Braunschweig, ist der Begründer der Klavierbautradition der Familie Grotrian-Steinweg. 1830 eröffnete er in Moskau eine erfolgreiche Musikalienhandlung, in der auch Klaviere aus eigener Produktion zum Verkauf angeboten wurden. Als ihm ein Onkel eine bedeutende Erbschaft hinterließ, die es zu verwalten galt, kehrte er 1856 nach 25 Jahren als wohlhabender Geschäftsmann in die Heimat zurück.

Hier lernte er Theodor Steinweg kennen. Steinweg führte eine Pianomanufaktur in Wolfenbüttel. Sie wurde 1835 von seinem Vater Heinrich Engelhard Steinweg in Seesen ins Leben gerufen. Heinrich wanderte 1851 aus und gründete 1853 als Henry E. Steinway in New York Steinway & Sons. In das Wolfenbüttler Unternehmen trat Grotrian 1858 als Teilhaber ein. Kurz darauf erwarben die beiden neuen Partner ein Patrizierhaus am Bohlweg 48 in Braunschweig und verlegten das Unternehmen dorthin. Die Belegschaft stieg rasch auf 25 Meister und Gesellen.

Doch schon 1860 starb Friedrich Grotrian. Sein Sohn Wilhelm, damals noch unmündig, konnte in das Unternehmen erst eintreten, als auch Theodor Steinweg 1865 seine Anteile verkaufte und ebenfalls nach New York übersiedelte. Unter der Firma „C. F. Th. Steinweg Nachf.“ wurde das Unternehmen für Grotrian, Helfferich und Schulz im Handelsregister eingetragen und baute zunächst die Steinwegschen Pianoforte weiter. Mehr als ein halbes Jahrhundert später – inzwischen hatte man mit den Steinways manche Rechtstreitigkeit ausfechten müssen – nahm man den Namen Grotrian-Steinweg an.

Als Wilhelm Grotrian 1895 seine beiden Söhne Kurt und Willi als Teilhaber in das Unternehmen aufnahm, prägte er den Grundsatz des Unternehmens: „Jungens, baut gute Klaviere, dann kommt alles andere von selbst“. Zu dieser Zeit ernannten viele Königs- und Fürstenhäuser das Haus Grotrian-Steinweg zu ihrem Hoflieferanten und gestatteten den Pianofortefabrikanten, ihre Wappen als Reputation einzusetzen. Noch heute findet man einige dieser Wappen als Verzierung auf dem Resonanzboden der neu produzierten Instrumente von Grotrian-Steinweg. Bis 1913 stieg die Belegschaft auf 550 Mitarbeiter und nach dem Ersten Weltkrieg sogar auf 1000. Die Jahresproduktion betrug in dem genannten Zeitraum 1600 Instrumente. Es wurden hauseigene Zweigstellen in Hannover, Berlin, Königsberg, Düsseldorf, und Leipzig eröffnet und mit Vertretern besetzt. Zu dieser Zeit gab es in Leipzig auch ein Grotrian-Steinweg-Orchester, das unter der Leitung von Hermann Scherchen große Bedeutung erlangte.

Der Erste Weltkrieg unterbrach den Aufstieg des Unternehmens, Kurt Grotrian rückte sofort ins Feld und geriet bald darauf in Gefangenschaft. Willi versuchte den vereinsamten Betrieb in bescheidenem Umfang fortzuführen, aber da Aufträge nicht zu erlangen waren sowie Mitarbeiter und Rohstoffe fehlten, musste er auf bessere Tage hoffen. Das Unternehmen konnte gleich nach Kriegsende die Produktion wiederaufnehmen und schon 1920 in London die „Grotrian-Steinweg Limited“ und 1925 in Delaware (USA) die „Grotrian-Steinweg Company“ errichten.

Willi und Kurt Grotrian-Steinweg konnten sich nur noch wenige Jahre an dieser positiven Entwicklung erfreuen. Kurt starb an den Folgen eines hartnäckigen Kriegsleidens am 25. Februar 1929 und sein Bruder Willi am 2. Mai 1931.

Geschichte von 1931 bis in die Gegenwart

Grotrian-Steinweg Flügel im Trümmerschutt nach einem Fabrikbrand am 29. April 1926

Ihr Erbe übernahmen die Söhne Erwin und Helmut Grotrian-Steinweg, die seit 1928 Teilhaber des Unternehmens waren. Sie mussten während des Zweiten Weltkrieges ihre Fabrik auf Flugzeugbau umstellen und am 15. Oktober 1944 erleben, wie die gesamten Anlagen, dazu das Haus am Bohlweg, ein Opfer des Luftkrieges wurden. Erst 1948 konnte die Fertigung wieder aufgenommen werden und schnell wurde der Anschluss an die große Tradition gefunden.

Grotrian-Steinweg heute

1974 bezog das Unternehmen zum dritten Mal eine neue Produktionsstätte in der Grotrian-Steinweg-Straße im Norden Braunschweigs direkt an der A2 Richtung Berlin. In dieser modernen Klaviermanufaktur verbindet man nun bereits in der 6. Generation technischen Fortschritt mit einer über 170-jährigen kunsthandwerklichen Klavierbautradition. Auf insgesamt 10.000 m² werden aus einer Modellpalette von 5 Flügel- und 7 Pianomodellen mit 55 Mitarbeitern rund 520 Instrumente im Jahr gefertigt und in über 70 Länder der Welt exportiert. Das Unternehmen engagiert sich in verschiedenen kulturellen Bereichen. Viele regionale Veranstaltungen wie das Braunschweig Classix Festival und die Konzerte im Rahmen von Tastentaumel werden direkt oder durch die zeitweise Überlassung von Instrumenten des Braunschweiger Herstellers unterstützt. Die wichtigste Unterstützung für die Kultur sind aber der Bundeswettbewerb Schulpraktisches Klavierspiel Grotrian-Steinweg und der Grotrian-Steinweg Klavierspielwettbewerb.

Mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. April 2015 hat die Parsons Music Group / China (einen Familienbetrieb mit Sitz in Hongkong, welcher 1986 gegründet wurde) Gesellschaftsanteile des Klavierherstellers Grotrian-Steinweg übernommen.